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Wespennest Nr.181
Wespennest Nr.181

Verzicht

Was ist Verzicht: Vom Brot nur die harte Kante zu essen oder den weichen Teig? wespennest widmet sich einem ambivalenten Phänomen, denn ob etwas als Verzicht erlebt wird, hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Aufrufe zur Bescheidenheit haben meist einen doppelten Boden, und ob Verzicht grundsätzlich auf Freiwilligkeit beruht, wie die geläufige Definition nahelegt, darf bezweifelt werden.

Ausgehend von diesen Überlegungen fragen wir nach der ideologischen Funktion von Verzichtsappellen. Untersucht wird Askese als Widerstandsform und als Gehorsam. Es geht um Sparpolitik in Zeiten von Niedrigzinsen, Reduktion in der Spitzengastronomie und Fastenregeln im Kloster, um Schriftsteller, die eine Alm bewirtschaften oder den unfreiwilligen Lohnverzicht von Arbeitnehmern. Autorinnen und Autoren mit Fluchterfahrungen machen ihre persönliche Inventur des Verzichts und beschreiben, was um eines neuen Lebens willen vom alten zurückgelassen werden muss.

Außerhalb des Schwerpunkts schreibt Doron Rabinovici über einen doppelten Prozess: Während er in Israel die Papiere seiner kurz davor verstorbenen Mutter sortiert, die das Vernichtungslager Stutthof überlebte, steht in Hamburg der einst dort eingesetzte Wachmann vor Gericht. Neben neuer Prosa und Gedichten findet sich ein ausführliches Gespräch mit Wiens dienstältester Buchhändlerin. Und auf den abschließenden Buchbesprechungsteil wollen wir auch in dieser Ausgabe nicht verzichten.


Wespennest Aktuelles
Reduktion ist in aller Munde: Die Hälfte essen, die Hälfte konsumieren, die Hälfte an Emissionen ausstoßen – und damit abnehmen, den Klimawandel aufhalten oder mehr in Einklang mit der Natur leben? Das Halbe natürlich kann es nur dort geben, wo vorher ein Ganzes war. Andrea Roedig plädiert für eine Kultur des Weglassens. Sie tut dies mit aller gebotenen Kürze und in entsprechend kompakter Form.

Peter Sloterdijk attestierte den Mitgliedern der Querdenker-Bewegung, wie „Figuren aus dem Spätmittelalter“ den „Weg in die Moderne und damit zu naturwissenschaftlicher Evidenz“ nicht mitgegangen zu sein. Aber wie konnten sie die Jahrhunderte überdauern und wo ihre Glaubenssätze konservieren? Jan Koneffke zufolge greift es zu kurz, sie jenseits der Moderne zu verorten und so zu beschreiben, als handle es sich um ein Phänomen am Rand.

|20.05.2021| Terminaviso: Vorstellung der aktuellen Ausgabe in der Alten Schmiede (Wien) am 24.06.2021

Unter dem Titel „Normalität und Ausnahmezustand - Ein Gespräch über die Güte von Normen und die Kurvenlandschaften der Krise“ wird die aktuelle Ausgabe des wespennest in der Alten Schmiede (Wien) vorgestellt. Jürgen Link, Ines Rössl und Carlos Watzka, die mit ihren Texten im Heft vertreten sind, sprechen mit Co-Herausgeberin Andrea Roedig über den Begriff der Normalität, ihre unterschiedlichen literarischen und wissenschaftlichen Zugänge zum Thema.

Donnerstag, 24. Juni 2021 um 19:30

Alle aktuellen Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter www.alte-schmiede.at


Sieben Jahre und neunundzwanzig Hefte lang, von 1997 bis 2004, gehörte der deutsche Programmgestalter, Hörfunkautor und Bibliothekar Ludger Bült dem Kreis ständiger redaktioneller Mitarbeiter der Zeitschrift wespennest an, einem losen Zusammenschluss von Personen, die mit ihren Ideen, ihrer Urteilskraft und ihrem Bestreben, wespennest für neue Autorinnen und Autoren zu öffnen, wesentlich zum Gelingen dieser Zeitschrift beitragen. Im Februar dieses Jahres ist Ludger Bült 63-jährig gestorben. Jan Koneffke, wespennest-Redakteur seit 2004, erinnert sich an prägende gemeinsame Erfahrungen und Stationen.

Die US-Wahlnacht liegt hinter uns, aber das Ringen um die Gültigkeit eines Endergebnisses ist wie erwartet nach wie vor im Gange. Lukas Meschik versetzt sich zurück ins Jahr 2016, als er den Vorsatz fasste, sich von der Niedertracht des neuen Amtsinhabers nicht anstecken zu lassen. Aber ist das gelungen? Ein Plädoyer für das Kitten der Risse in uns selbst.

Taugt COVID-19 zum großen Roman? Es ist weder Pest noch Polio, sondern konfrontiert uns mit einem „kleinen Virus des Vielleicht“, wie Andrea Roedig konstatiert. Die Schreibwut jedenfalls sei ungebrochen, auch der Besitzer des Schreibwarenladens um die Ecke sagt, die Leute würden Stifte und Hefterl wie verrückt kaufen, es fehle lediglich der Nachschub aus China. Dabei gibt es mit Albert Camus’ Pest und Philip Roth’ Nemesis längst denkwürdige Seuchenliteratur.

Im März 2020 schließen EU-Mitgliedsstaaten wegen der Corona-Pandemie ihre Grenzen, im April 2020 schweigt die EU-Kommission weitgehend zu den ungarischen Ermächtigungsgesetzen. So viel ist bekannt. Und wie wird es weitergegangen sein? Vielleicht so: Im November 2020 droht Trump mit Bürgerwehren, sechs Monate später spricht der deutsche Bundestag einer von CDU, FDP und AfD gebildeten Regierung das Vertrauen aus – das und mehr skizziert Jan Koneffke in einem erschreckend glaubwürdigen Rückblick auf die Zukunft.

Wespennest Zeitschrift
Heft 180 |w180| Lange Zeit galt als „normal“, was „natürlich“ war, also der Ordnung von Natur oder Vernunft entsprechend. Doch was kommt jetzt? Was erwartet uns in der „neuen Normalität“?
Heft 179 |w179| Betrachtungen über Mehrsprachigkeit und Literatur, Mundartdichtung oder die Sprache des Rechts sowie persönliche Annäherungen an das Unbekannte «fremder» Sprachen.
Heft 178 |w178| Was ist Bürgertum heute und wen zählen wir dazu? Ein Schwerpunkt über eine radikale bis spießig-laue Spezies im Wandel der Zeit.
Wespennest Vorschau
wespennest 182
Zufall
Preis: EUR 12.00;
erscheint am 06.05.2022

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