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Wespennest Nr.179
Wespennest Nr.179

Viele Sprachen – eine Sprache?

Mit dem biblischen Turmbau haben sich viele literarisch Schaffende – interpretierend, nacherzählend, sprachverwirrend – beschäftigt. Für einige von ihnen ist „Das grosse Babel,n“ (Ferdinand Schmatz, 1999) zuallererst eine dichterische Tätigkeit. Der Schwerpunkt „Viele Sprachen – eine Sprache?“ nimmt auf diese Auseinandersetzung Bezug, nähert sich ihr über die Etymologie oder fragt nach konkreten politischen und gesellschaftlichen Versäumnissen im Umgang mit Sprache und Mehrsprachigkeit als Basis unserer Kommunikation. Die Forderung nach einer Lingua franca für die europäische Demokratie findet ebenso ihren Platz wie Betrachtungen zur Verständlichkeit von Gerichtsurteilen oder ein Werkstattgespräch über die Vorzüge der Mehrsprachigkeit im eigenen literarischen Schaffen.

Einblicke in die Herausforderungen beim Erlernen einer neuen Sprache gewährt schließlich eine kleine Serie an subjektiv gehaltenen Sprachporträts. Als Fund aus den Zeitschriftenarchiven: Ein offener Brief aus dem Jahr 1930, in dem sich der ungarische Autor Dezső Kosztolányi, durch die Arbeiten des französischen Gelehrten Antoine Meillet merklich gekränkt, zu einer wilden Verteidigung von Sprache und Literatur unserer (von Wien aus gesehen) östlichen Nachbarn aufschwingt – nun neunzig Jahre später auch auf Deutsch zu lesen.

In einem langen, im Original erstmals 1987 erschienenen Essay betritt Dževad Karahasan das Labyrinth des Minotauros und beschäftigt sich mit der Wesensnatur von Ungeheuern. Der Buchbesprechungsteil nimmt aktuelle Werke dystopischer Literatur aus Österreich in den Blick – und vieles andere mehr.

Wespennest Aktuelles
Sieben Jahre und neunundzwanzig Hefte lang, von 1997 bis 2004, gehörte der deutsche Programmgestalter, Hörfunkautor und Bibliothekar Ludger Bült dem Kreis ständiger redaktioneller Mitarbeiter der Zeitschrift wespennest an, einem losen Zusammenschluss von Personen, die mit ihren Ideen, ihrer Urteilskraft und ihrem Bestreben, wespennest für neue Autorinnen und Autoren zu öffnen, wesentlich zum Gelingen dieser Zeitschrift beitragen. Im Februar dieses Jahres ist Ludger Bült 63-jährig gestorben. Jan Koneffke, wespennest-Redakteur seit 2004, erinnert sich an prägende gemeinsame Erfahrungen und Stationen.

Die US-Wahlnacht liegt hinter uns, aber das Ringen um die Gültigkeit eines Endergebnisses ist wie erwartet nach wie vor im Gange. Lukas Meschik versetzt sich zurück ins Jahr 2016, als er den Vorsatz fasste, sich von der Niedertracht des neuen Amtsinhabers nicht anstecken zu lassen. Aber ist das gelungen? Ein Plädoyer für das Kitten der Risse in uns selbst.

Taugt COVID-19 zum großen Roman? Es ist weder Pest noch Polio, sondern konfrontiert uns mit einem „kleinen Virus des Vielleicht“, wie Andrea Roedig konstatiert. Die Schreibwut jedenfalls sei ungebrochen, auch der Besitzer des Schreibwarenladens um die Ecke sagt, die Leute würden Stifte und Hefterl wie verrückt kaufen, es fehle lediglich der Nachschub aus China. Dabei gibt es mit Albert Camus’ Pest und Philip Roth’ Nemesis längst denkwürdige Seuchenliteratur.

Im März 2020 schließen EU-Mitgliedsstaaten wegen der Corona-Pandemie ihre Grenzen, im April 2020 schweigt die EU-Kommission weitgehend zu den ungarischen Ermächtigungsgesetzen. So viel ist bekannt. Und wie wird es weitergegangen sein? Vielleicht so: Im November 2020 droht Trump mit Bürgerwehren, sechs Monate später spricht der deutsche Bundestag einer von CDU, FDP und AfD gebildeten Regierung das Vertrauen aus – das und mehr skizziert Jan Koneffke in einem erschreckend glaubwürdigen Rückblick auf die Zukunft.

Wespennest Zeitschrift
Heft 178 |w178| Was ist Bürgertum heute und wen zählen wir dazu? Ein Schwerpunkt über eine radikale bis spießig-laue Spezies im Wandel der Zeit.
Heft 177 |w177| wespennest feiert sein fünfzigjähriges Bestehen und reflektiert über den Essay als Form.
Heft 176 |w176| Klima als Thema, das alle anderen durchdringt: Von Schnittpunkten zwischen Klima und Gesellschaft über die politische Wetterlage Österreichs zu Klima als Kulturfrage.
Wespennest Vorschau
wespennest 180
Normalität
Preis: EUR 12.00;
erscheint am 06.05.2021

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