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Wespennest Nr.178
Wespennest Nr.178

Neues altes Bürgertum

Das Signum „bürgerlich“ steht für die laue Mitte. Keinesfalls extrem, immer vernünftig und am Erhalt des Bestehenden orientiert, ist mit dem Bürgertum heute keine Revolution mehr zu machen. Doch wer oder was ist mit „bürgerlich“ gemeint? Was heißt heute Mittelstand und wie drückt sich das Lebensgefühl einer neuen Bürgerlichkeit aus?
Der wespennest-Frühjahrsschwerpunkt versammelt Autorinnen und Autoren, die dem diffusen Begriff des neuen alten Bürgertums soziologisch, politisch, baugeschichtlich, ästhetisch – und im Selbstversuch auf die Spur kommen. Sie begeben sich ins Frankreich des „langen“ 19. Jahrhunderts ebenso wie in die Welt der Hauseigentümer und Kapitalisten, fragen nach, wie viel Bürger eigentlich im Wutbürger steckt, oder blicken nach Rumänien, wo sich das Bürgertum im Kampf mit traditionalistischen und bodenständigen Strömungen keine solide Basis schaffen konnte.

Ende Jänner 2020 verstarb Adolf Holl, langjähriger Wegbegleiter und Autor des wespennest. „Durch Gedanken“, so Holl, „werden keine Probleme gelöst, am wenigsten das des Todes.“ In Leibesvisitationen, dem letzten Buchmanuskript, an dem er arbeitete, widmet er sich daher „vorerst einmal“ der Zubereitung bekömmlicher Suppen. Posthum bringen wir den Anfang dieses Textes inklusive eines Nachrufs von Walter Famler.
Zudem freuen wir uns über ein gemeinsames Debüt von Simon Angerer und Maximilian Scheffold, die den reizvoll-paradoxen Versuch eines synchronen Textes wagen, empfehlen Fredrik Sjöbergs aberwitzige Bemühungen, das Rätsel um Alban Bergs Tod zu lösen und vieles andere mehr.


Wespennest Aktuelles
Im März 2020 schließen EU-Mitgliedsstaaten wegen der Corona-Pandemie ihre Grenzen, im April 2020 schweigt die EU-Kommission weitgehend zu den ungarischen Ermächtigungsgesetzen. So viel ist bekannt. Und wie wird es weitergegangen sein? Vielleicht so: Im November 2020 droht Trump mit Bürgerwehren, sechs Monate später spricht der deutsche Bundestag einer von CDU, FDP und AfD gebildeten Regierung das Vertrauen aus – das und mehr skizziert Jan Koneffke in einem erschreckend glaubwürdigen Rückblick auf die Zukunft.

In einer Replik auf Jan Koneffkes „wespenstich“-Kolumme vom 31.10.2019 („Der Heimat-Sprech“, hier nachzulesen) verteidigt Susanne Scharnowski den analytisch-kritischen Ansatz ihres Buches Heimat. Geschichte eines Missverständnisses. Durch Abwehr des Heimatbegriffs lasse sich politischer Populismus nicht verstehen.

Heimat, Söhne, große. Jan Koneffke reist zu einer Lesung in universitärem Rahmen – auf der Tagesordnung steht ein Dichter der Romantik und dessen Begriff von Heimat – und bekommt angesichts der Wiederkehr gefühlig-neudeutscher Wurzelverbundenheit Ohrensausen. Mit der Renaissance der Heimat geht die Abwehr des Unvertrauten einher. Und die lässt sich mühelos politisch instrumentalisieren.

|10.10.2019| "Europe '89: The promise recalled". 30. Europäisches Kulturzeitschriftentreffen, 01.11.-03.11.2019, Berlin

Vor dreißig Jahren fand eine Zeitenwende statt. Das Engagement mutiger Menschen in Mittel- und Osteuropa verband sich mit dem Druck der Straße und kulminierte in einer Welle größtenteils friedlicher Revolutionen. In einem Land nach dem anderen endete die über Jahrzehnte währende sowjetische Vorherrschaft. Und auch wenn sich die jeweiligen Dynamiken und Entwicklungen mitunter deutlich unterschieden, teilten die revolutionären Bewegungen doch den Glauben an ein geeintes Europa. Der Name des Kontinents stand dabei nicht nur stellvertretend für das Ende der Teilung, sondern auch für die Rückkehr zu Demokratie und Selbstbestimmung.

Das diesjährige Zeitschriftentreffen, bei dem wespennest als Gründungspartner des Zeitschriftennetzwerks Eurozine auch vertreten sein wird, erinnert an die Hoffnungen und Ideen von '89. Prominente Stimmen aus Wissenschaft, Publizistik und der Zivilgesellschaft diskutieren die Erfolge, aber auch die Rückschläge der vergangenen drei Jahrzehnte und entwickeln Ideen für die Zukunft.

Veranstaltungsort: Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Programm und Anmeldemöglichkeiten www.eurozine.com/berlin2019

Die Vorträge und Diskussionen finden in deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung statt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Veranstaltungen am 1. und 2. November werden zudem auch als Livestream übertragen.


|14.03.2019| wespennest auf der Leipziger Buchmesse (21.-24. März 2019)
Auf der Leipziger Buchmesse treffen Sie wespennest im Gemeinschaftsstand der IG Autorinnen Autoren in Halle 4 Stand E209 an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Wer die Rede des Wiener Bürgermeisters zum Gedenken an den Februaraufstand 1934 gehört hat, meinte, anstelle des sonst rechtsstehenden Politikers einen Parteilinken vor sich zu haben. Aber sind solche Auftritte mehr als bloße Politfolklore? Und welche Relevanz hat heute die Debatte um rechts und links innerhalb der Sozialdemokratie noch? Walter Famler fragt sich, ob das derzeit von der SPÖ plakativ beworbene hundertjährige „Rote Wien“ sein hundertstes Jahr überhaupt vollenden wird.

Wespennest Zeitschrift
Heft 177 |w177| wespennest feiert sein fünfzigjähriges Bestehen und reflektiert über den Essay als Form.
Heft 176 |w176| Klima als Thema, das alle anderen durchdringt: Von Schnittpunkten zwischen Klima und Gesellschaft über die politische Wetterlage Österreichs zu Klima als Kulturfrage.
Heft 175 |w175| Ein Schwerpunkt zu Hilfe und Solidarität, der Entwicklung sozialen Wohnbaus und zum Mythos Bill Gates.
Wespennest Vorschau
wespennest 179
Viele Sprachen – eine Sprache?
Preis: EUR 12.00;
erscheint am 06.11.2020

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