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Wespennest Nr.179
Wespennest Nr.179

Viele Sprachen – eine Sprache?

Mit dem biblischen Turmbau haben sich viele literarisch Schaffende – interpretierend, nacherzählend, sprachverwirrend – beschäftigt. Für einige von ihnen ist „Das grosse Babel,n“ (Ferdinand Schmatz, 1999) zuallererst eine dichterische Tätigkeit. Der Schwerpunkt „Viele Sprachen – eine Sprache?“ nimmt auf diese Auseinandersetzung Bezug, nähert sich ihr über die Etymologie oder fragt nach konkreten politischen und gesellschaftlichen Versäumnissen im Umgang mit Sprache und Mehrsprachigkeit als Basis unserer Kommunikation. Die Forderung nach einer Lingua franca für die europäische Demokratie findet ebenso ihren Platz wie Betrachtungen zur Verständlichkeit von Gerichtsurteilen oder ein Werkstattgespräch über die Vorzüge der Mehrsprachigkeit im eigenen literarischen Schaffen.

Einblicke in die Herausforderungen beim Erlernen einer neuen Sprache gewährt schließlich eine kleine Serie an subjektiv gehaltenen Sprachporträts. Als Fund aus den Zeitschriftenarchiven: Ein offener Brief aus dem Jahr 1930, in dem sich der ungarische Autor Dezső Kosztolányi, durch die Arbeiten des französischen Gelehrten Antoine Meillet merklich gekränkt, zu einer wilden Verteidigung von Sprache und Literatur unserer (von Wien aus gesehen) östlichen Nachbarn aufschwingt – nun siebzig Jahre später auch auf Deutsch zu lesen.

In einem langen, im Original erstmals 1987 erschienenen Essay betritt Dževad Karahasan das Labyrinth des Minotauros und beschäftigt sich mit der Wesensnatur von Ungeheuern. Der Buchbesprechungsteil nimmt aktuelle Werke dystopischer Literatur aus Österreich in den Blick – und vieles andere mehr.

Wespennest Aktuelles
|16.11.2020| Terminaviso: Vorstellung der aktuellen Ausgabe im Rahmen von „Literatur im Herbst“ am 21.11.2020

Die Lese- und Gesprächsreihe „Literatur im Herbst“ feiert ihr dreißigjähriges Bestehen unter dem Thema „Die Kraft der Literatur“ – wenngleich diese derzeit ohne anwesendes Publikum unter Beweis gestellt werden muss. Für eine digitale Live-Übertragung der Lesungen und Gespräche aus den Räumlichkeiten der Alten Schmiede ist jedoch gesorgt, und dank einer Kooperation mit dem Radiosender Ö1 werden einige der Programmpunkte davon im Anschluss auch im Radio zu hören sein.

In diesem Rahmen stellt wespennest-Co-Herausgeberin Andrea Zederbauer gemeinsam mit dem Schriftsteller José F. A. Oliver das aktuelle Heft zum Thema „Viele Sprachen – eine Sprache?“ vor.

Samstag, 21. November 2020 um 17.30 Uhr

Alle aktuellen Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter https://www.alte-schmiede.at

Programm (Änderungen vorbehalten)

Livestream der Alten Schmiede auf YouTube


Die US-Wahlnacht liegt hinter uns, aber das Ringen um die Gültigkeit eines Endergebnisses ist wie erwartet nach wie vor im Gange. Lukas Meschik versetzt sich zurück ins Jahr 2016, als er den Vorsatz fasste, sich von der Niedertracht des neuen Amtsinhabers nicht anstecken zu lassen. Aber ist das gelungen? Ein Plädoyer für das Kitten der Risse in uns selbst.

Taugt COVID-19 zum großen Roman? Es ist weder Pest noch Polio, sondern konfrontiert uns mit einem „kleinen Virus des Vielleicht“, wie Andrea Roedig konstatiert. Die Schreibwut jedenfalls sei ungebrochen, auch der Besitzer des Schreibwarenladens um die Ecke sagt, die Leute würden Stifte und Hefterl wie verrückt kaufen, es fehle lediglich der Nachschub aus China. Dabei gibt es mit Albert Camus’ Pest und Philip Roth’ Nemesis längst denkwürdige Seuchenliteratur.

Im März 2020 schließen EU-Mitgliedsstaaten wegen der Corona-Pandemie ihre Grenzen, im April 2020 schweigt die EU-Kommission weitgehend zu den ungarischen Ermächtigungsgesetzen. So viel ist bekannt. Und wie wird es weitergegangen sein? Vielleicht so: Im November 2020 droht Trump mit Bürgerwehren, sechs Monate später spricht der deutsche Bundestag einer von CDU, FDP und AfD gebildeten Regierung das Vertrauen aus – das und mehr skizziert Jan Koneffke in einem erschreckend glaubwürdigen Rückblick auf die Zukunft.

In einer Replik auf Jan Koneffkes „wespenstich“-Kolumme vom 31.10.2019 („Der Heimat-Sprech“, hier nachzulesen) verteidigt Susanne Scharnowski den analytisch-kritischen Ansatz ihres Buches Heimat. Geschichte eines Missverständnisses. Durch Abwehr des Heimatbegriffs lasse sich politischer Populismus nicht verstehen.

Heimat, Söhne, große. Jan Koneffke reist zu einer Lesung in universitärem Rahmen – auf der Tagesordnung steht ein Dichter der Romantik und dessen Begriff von Heimat – und bekommt angesichts der Wiederkehr gefühlig-neudeutscher Wurzelverbundenheit Ohrensausen. Mit der Renaissance der Heimat geht die Abwehr des Unvertrauten einher. Und die lässt sich mühelos politisch instrumentalisieren.

|10.10.2019| "Europe '89: The promise recalled". 30. Europäisches Kulturzeitschriftentreffen, 01.11.-03.11.2019, Berlin

Vor dreißig Jahren fand eine Zeitenwende statt. Das Engagement mutiger Menschen in Mittel- und Osteuropa verband sich mit dem Druck der Straße und kulminierte in einer Welle größtenteils friedlicher Revolutionen. In einem Land nach dem anderen endete die über Jahrzehnte währende sowjetische Vorherrschaft. Und auch wenn sich die jeweiligen Dynamiken und Entwicklungen mitunter deutlich unterschieden, teilten die revolutionären Bewegungen doch den Glauben an ein geeintes Europa. Der Name des Kontinents stand dabei nicht nur stellvertretend für das Ende der Teilung, sondern auch für die Rückkehr zu Demokratie und Selbstbestimmung.

Das diesjährige Zeitschriftentreffen, bei dem wespennest als Gründungspartner des Zeitschriftennetzwerks Eurozine auch vertreten sein wird, erinnert an die Hoffnungen und Ideen von '89. Prominente Stimmen aus Wissenschaft, Publizistik und der Zivilgesellschaft diskutieren die Erfolge, aber auch die Rückschläge der vergangenen drei Jahrzehnte und entwickeln Ideen für die Zukunft.

Veranstaltungsort: Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Programm und Anmeldemöglichkeiten www.eurozine.com/berlin2019

Die Vorträge und Diskussionen finden in deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung statt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Veranstaltungen am 1. und 2. November werden zudem auch als Livestream übertragen.


|14.03.2019| wespennest auf der Leipziger Buchmesse (21.-24. März 2019)
Auf der Leipziger Buchmesse treffen Sie wespennest im Gemeinschaftsstand der IG Autorinnen Autoren in Halle 4 Stand E209 an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Wer die Rede des Wiener Bürgermeisters zum Gedenken an den Februaraufstand 1934 gehört hat, meinte, anstelle des sonst rechtsstehenden Politikers einen Parteilinken vor sich zu haben. Aber sind solche Auftritte mehr als bloße Politfolklore? Und welche Relevanz hat heute die Debatte um rechts und links innerhalb der Sozialdemokratie noch? Walter Famler fragt sich, ob das derzeit von der SPÖ plakativ beworbene hundertjährige „Rote Wien“ sein hundertstes Jahr überhaupt vollenden wird.

Wespennest Zeitschrift
Heft 178 |w178| Was ist Bürgertum heute und wen zählen wir dazu? Ein Schwerpunkt über eine radikale bis spießig-laue Spezies im Wandel der Zeit.
Heft 177 |w177| wespennest feiert sein fünfzigjähriges Bestehen und reflektiert über den Essay als Form.
Heft 176 |w176| Klima als Thema, das alle anderen durchdringt: Von Schnittpunkten zwischen Klima und Gesellschaft über die politische Wetterlage Österreichs zu Klima als Kulturfrage.
Wespennest Vorschau
wespennest 180
Normalität
Preis: EUR 12.00;
erscheint am 13.05.2021

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