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Wespennest Nr.177
Wespennest Nr.177

Essay. 50 Jahre wespennest

"Ich kann die Folgen dieses Essays in mir immer noch spüren." So würdigt der amerikanische Autor Darryl Pinckney die Wirkung eines um dreißig Jahre älteren schreibenden Kollegen, dem er viel verdankt: James Baldwin. Der Anlass? Ein Rückblick auf Baldwins "Notes of a Native Son" im Rahmen einer Rede zum fünfzigsten Geburtstag der New York Review of Books, die Martin Scorsese in seinem Dokumentarfilm The 50 year argument feierlich porträtiert.
Was ein Essay wie Baldwins bewirken kann: Befreiung vom orthodoxen Denken – in (identitäts)politischer Hinsicht ebenso wie in ästhetischer. Ketzerei, das sei das innerste Formgesetz des Essays, so sah es T. W. Adorno. Nun, man wisse nicht, was ein Essay sei, so sieht es für die neuere deutschsprachige Literatur Georg Stanitzek.
Spielt aber die "vierte Gattung", das Denken im Text, die Bindung ans Lesen und an einen "emphatischen Begriff von Intellektualität" für jüngere Schreibende überhaupt noch eine nennenswerte Rolle?
Über den Essay nachzudenken, heißt auch, über die Medien nachzudenken, in denen er erscheint. Und über den radikalen Wandel, denen diese unterworfen sind. Der Herbstschwerpunkt, mit dem wespennest sein fünfzigjähriges Bestehen feiert, ist Reflexion auf den Essay als Form und zugleich eine Hausdurchsuchung in eigener Sache.

Außerdem:
William T. Vollmann konfrontiert sich mit den vielen Facetten des Todes und sucht Orte auf, in denen die Toten und Ermordeten im Mittelpunkt stehen: die Katakomben von Paris, die Gerichtsmedizin San Franciscos und die Leichenhallen des Kosevo-Krankenhauses in Sarajevo; Ines Geipel spricht über die Gewaltrealitäten in der DDR und deren Nachwehen im heutigen Osten Deutschlands u.v.a.m.


Wespennest Aktuelles
In einer Replik auf Jan Koneffkes „wespenstich“-Kolumme vom 31.10.2019 („Der Heimat-Sprech“, hier nachzulesen) verteidigt Susanne Scharnowski den analytisch-kritischen Ansatz ihres Buches Heimat. Geschichte eines Missverständnisses. Durch Abwehr des Heimatbegriffs lasse sich politischer Populismus nicht verstehen.

Heimat, Söhne, große. Jan Koneffke reist zu einer Lesung in universitärem Rahmen – auf der Tagesordnung steht ein Dichter der Romantik und dessen Begriff von Heimat – und bekommt angesichts der Wiederkehr gefühlig-neudeutscher Wurzelverbundenheit Ohrensausen. Mit der Renaissance der Heimat geht die Abwehr des Unvertrauten einher. Und die lässt sich mühelos politisch instrumentalisieren.

|10.10.2019| "Europe '89: The promise recalled". 30. Europäisches Kulturzeitschriftentreffen, 01.11.-03.11.2019, Berlin

Vor dreißig Jahren fand eine Zeitenwende statt. Das Engagement mutiger Menschen in Mittel- und Osteuropa verband sich mit dem Druck der Straße und kulminierte in einer Welle größtenteils friedlicher Revolutionen. In einem Land nach dem anderen endete die über Jahrzehnte währende sowjetische Vorherrschaft. Und auch wenn sich die jeweiligen Dynamiken und Entwicklungen mitunter deutlich unterschieden, teilten die revolutionären Bewegungen doch den Glauben an ein geeintes Europa. Der Name des Kontinents stand dabei nicht nur stellvertretend für das Ende der Teilung, sondern auch für die Rückkehr zu Demokratie und Selbstbestimmung.

Das diesjährige Zeitschriftentreffen, bei dem wespennest als Gründungspartner des Zeitschriftennetzwerks Eurozine auch vertreten sein wird, erinnert an die Hoffnungen und Ideen von '89. Prominente Stimmen aus Wissenschaft, Publizistik und der Zivilgesellschaft diskutieren die Erfolge, aber auch die Rückschläge der vergangenen drei Jahrzehnte und entwickeln Ideen für die Zukunft.

Veranstaltungsort: Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Programm und Anmeldemöglichkeiten www.eurozine.com/berlin2019

Die Vorträge und Diskussionen finden in deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung statt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Veranstaltungen am 1. und 2. November werden zudem auch als Livestream übertragen.


|09.10.2019| wespennest ist auf der Frankfurter Buchmesse und diskutiert mit!

Der diesjährige Weltempfang widmet sich dem Verhältnis von Natur und Kultur. In diesem Kontext diskutieren in Kooperation mit Eurozine RedakteurInnen und HerausgeberInnen europäischer Kulturzeitschriften unter dem Titel "Breaking the bad news" darüber, wie Kulturmedien mit dem Thema Klimakrise umgehen.

Mitwirkende: Audun Lindholm (Vagant),
Şeyda Öztürk (Cogito) und Andrea Zederbauer (wespennest)
Moderation: Réka Kinga Papp (Eurozine)
Donnerstag, 17.10.2019, 15 Uhr
Weltempfang Bühne (Halle 4.1 B81)
Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main

Von 16. bis 20. Oktober finden Sie wespennest in Standgemeinschaft mit dem Sonderzahl-Verlag und der Edition Tiamat in Halle 4.1., Stand E31.


Wer die Rede des Wiener Bürgermeisters zum Gedenken an den Februaraufstand 1934 gehört hat, meinte, anstelle des sonst rechtsstehenden Politikers einen Parteilinken vor sich zu haben. Aber sind solche Auftritte mehr als bloße Politfolklore? Und welche Relevanz hat heute die Debatte um rechts und links innerhalb der Sozialdemokratie noch? Walter Famler fragt sich, ob das derzeit von der SPÖ plakativ beworbene hundertjährige „Rote Wien“ sein hundertstes Jahr überhaupt vollenden wird.

Wespennest Zeitschrift
Heft 176 |w176| Klima als Thema, das alle anderen durchdringt: Von Schnittpunkten zwischen Klima und Gesellschaft über die politische Wetterlage Österreichs zu Klima als Kulturfrage.
Heft 175 |w175| Ein Schwerpunkt zu Hilfe und Solidarität, der Entwicklung sozialen Wohnbaus und zum Mythos Bill Gates.
Heft 174 |w174| Idiotie als Thema von Kunst und Literatur, als Wirkmacht in Gesellschaft und Politik, als Irrsinn des Alltags – und die Frage: Gibt es eigentlich ein Außerhalb der Idiotie?
Wespennest Vorschau
wespennest 178
Neues altes Bürgertum
Preis: EUR 12.00;
erscheint am 15.05.2020

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