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Wespennest Nr.173
Wespennest Nr.173

Kultur erben

Der Einzelne kann entscheiden, ob er eine Hinterlassenschaft antreten oder sie ausschlagen will. Doch was tun, wenn es keine Erben gibt oder diese kein Interesse an der elterlichen Kunstsammlung oder Bibliothek zeigen? Veräußern? Der Allgemeinheit zugänglich machen?
Individuelles wie gesellschaftliches Erbe ist mitunter nicht schuldfrei zu haben. Schließlich gehört auch die Kulturgutbeute dem Sieger, und was von Kultur zeugt, zeugt nach einer These Walter Benjamins zugleich von Barbarei. Es liegt also an den jeweiligen Kulturerben auszuhandeln, ob sie ihre Erbschaft als Bereicherung begreifen, sie „überschreiben“, zerstören oder den Beraubten zurückgeben.
Die Autorinnen und Autoren des Herbst-Schwerpunkts widmen sich der Dynamik von Erinnern und Vergessen: den Vergangenheiten Sarajevos ebenso wie dem Umgang mit Architekturikonen der Moderne, dem ideologischen Blick auf Weltkulturerbe oder dem Schicksal privater Kunstsammlungen.

Jenseits des Schwerpunkts untersucht Valentin Groebner die Geschichte von ‚post truth’ und Fehlinformationen, Zsuzsanna Gahse widmet sich der Vielseitigkeit von Bodo Hells Literatur u.v.m.

Wespennest Aktuelles
|02.11.2017| Desinformation und Demokratie
„Glaub mir, ich lüge“, so der Titel eines Essays von Valentin Groebner, der in der aktuellen Ausgabe von wespennest erscheint. Ausgehend von der omnipräsenten Rede von ‚post-truth’ und absichtlich verbreiteten Fehlinformationen wirft Groebner einen Blick in die Geschichte des Informationsaustausches, die immer auch eine Geschichte der Verwirrung zwischen Wahrheit und Fälschung ist – seien es Geheimschriften in der Briefkultur des 15. Jahrhunderts oder die Massenpresse am Beginn des 19. Jahrhunderts. Groebners Essay entstand in Zusammenarbeit mit Eurozine, wo vor Kurzem ein Schwerpunkt zum Thema „Disinformation and Democracy“ veröffentlicht wurde, an dem sich auch Kolleginnen und Kollegen anderer europäischer Kulturzeitschriften beteiligten. Darin wirft Markus Wehner beispielsweise einen Blick auf Russlands ‚Informationskrieg’ und Daniel Leisegang untersucht die Achse der Rechtsextremen zwischen Russland und Westeuropa und deren Instrumentalisierung sozialer Medien. Der Schwerpunkt richtet den Blick jedoch auch auf die konzeptuellen Schwächen von Begriffen wie ‚Fake News’ und ‚post-truth’. Schließlich wird mit ihnen im Nachhinein eine Vergangenheit konstruiert, in der die Politik ausschließlich durch rationale Argumente geleitet wurde und die Medien pflichtbewusst dem Imperativ der Faktizität gehorchten. Dass diese Vorstellung illusorisch ist, zeigen neben Valentin Groebners Essay auch viele andere Beiträge. „Glaub mir, ich lüge“ ist auch in englischer Übersetzung auf www.eurozine.com zu lesen.

Nostalgische Blicke zurück auf die ‚Swinging Sixties’ verdecken jene Aufbruchsstimmung, die um 1967 herrschte: Black Power, Malcolm X oder die Londoner Anti-Psychiatrie-Konferenz zum Thema Dialektik der Befreiung sind nur einige Beispiele dafür. Walter Famler über einige Anliegen, die bereits 1967 formuliert wurden und bis heute nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Wespennest Zeitschrift
Heft 172 |w172| Ent-fremdet sein – Störung im Welt- und Selbstverhältnis oder produktiver Vorgang? Hat das Fremde in der globalisierten Welt zugenommen oder kommt es uns abhanden?
Heft 171 |w171| Wer träumt heute noch vom kommunistischen Vielvölkerimperium? 12 Stimmen und Positionen.
Heft 170 |w170| Potenz, Risikofreude, Gewaltbereitschaft … Sind diese Eigenschaften an das männliche Geschlecht gebunden? Ist das „charismatische" Hormon Testosteron ihr Auslöser?
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